Sonntag, 19. Mai

Auf dem inneren Weg ist die Selbstverständlichkeit der grösste Feind. Denn alles will mit grossem Erstaunen erkundet werden.

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Samstag, 18. Mai

Der Mensch ist eingeschlossen in ein Netz von Bedeutungen und Wichtigkeiten, das er selber gesponnen hat. Introspektive verschafft Bewusstheit über diese versteckte Beschaffenheit – unsere Angewöhnung, wie wir unsere Welt wahrnehmen. Wir leben nicht einfach in einer Welt von Bäumen, Steinen, Pflanzen und physischen Objekten. Die eigene Welt des Menschen als Konstrukt des Geistes besteht vielmehr aus Beleidigungen und Lob, Freunden und Konkurrenten, Verlust und Erfolg… also aus sehr subjektiven Wertezuschreibungen. Dies sind alles eigene Kreationen, die existieren, weil man daran glaubt. Glück und Leid, Bevorzugungen und Abneigungen, Wünsche und Ängste – all dies sind Produkte des Geistes. Sie haben keine Existenz ausserhalb des Bereiches des eigenen Geistes.

Freitag, 17. Mai

Bhakti ist nicht eine Form von geistiger Verklärung oder Lebensferne. Sie beginnt mit der Zurücklassung des Unwesentlichen. Dazu braucht es eine Form von Kompromisslosigkeit und auch der heiligen Rücksichtslosigkeit. Die Geweihten mögen oder mögen nicht eine gute Gesundheit haben, oder Hindernisse im Leben, sie mögen Intelligenz, grosse Kraft, Macht, mystische Kräfte, Reichtum, und ein langes Leben haben, oder auch nicht. Sie suchen etwas weit wertvolleres als all diese Dinge: Dich.Weil sie in ihren Gedanken ohne Abweichung in Dich vertieft sind und Dir bedingungslos dienen, hat die äusserliche Situation ihre Bedeutungszuschreibung verloren. Da ihr Dienen rein und selbstlos ist, leben sie jeden Moment, zu jeder Zeit, erfüllt von Dir.Du kennst niemand anders als sie und sie niemanden anders als Dich. Es findet ein ununterbrochener Wettstreit des Dienens statt, zwischen ihrem Geliebten und Seinen geliebten Gefährten.

Donnerstag, 16. Mai

Was ist der Grund, dass man sich Gott so fern fühlt und dass es scheint, als hätte Er sich zurückgezogen?Im christlichen Kontext wird dabei immer von der Unzufriedenheit Gottes mit uns als Grund des Rückzuges Gottes gesprochen. Gott möchte nicht der Mitkomplize unseres moralischen Fehlverhaltens sein und spiegelt uns somit die Un-Liebe, wie wir mit anderen umgegangen sind (Matthäus 25,31-46). Das Gottesbild der indischen Bhakti variiert hier grundlegend (Bhagavad Gita 9.30-31). Gottes Rückzug von der Seele wird nicht als Strafe für unlauteres Verhalten betrachtet, sondern die notwendige Abtrennung von der Fühlhaftigkeit. Die Stille Gottes ist also nicht eine Verurteilung und Verwerfung der Seele von Seiten Gottes für eine unredliche Tat, sondern vielmehr eine heilige Einladung, Ihn mehr zu beachten als all Seine Geschenke in Form von Energien und überschwelligen Gefühlsregungen. Man möchte nur noch Ihn ohne Seine Geschenke, die Ihn auch verbergen können.

Mittwoch, 15. Mai

Wenn man die Ohnmacht wirklich zulässt, dann bringt sie einen an eine Grenze. Die Sucht nach Funktionalität ist grundsätzlich darauf ausgerichtet, nicht an Grenzen zu stossen. Auf jeden Fall nicht freiwillig. Man merkt, wie plötzlich Überlebensmechanismen einsetzen. Man wird dann aber trotzdem früher oder später unvorhergesehen an Grenzen gestossen. Dies freiwillig zu tun, in den Bereich vor zu stossen, in welchem sich das Ich bedroht fühlt, erzeugt eine ungeheure Lebendigkeit. Da tut sich eine innere Intensität auf.

Dienstag, 14. Mai

Ein Suchender auf dem inneren Weg wird sich der Ferne seines Zieles, brennende Liebe und Hingabe zu Radha- Krishna in Vraja, immer mehr bewusst. Jede kleinste Einsicht ist ein wohlwollendes Geschenk vom Absoluten Herrn und nicht ein Recht, das man einfordern oder sich erstreiten könnte. Wir als Seelen sind unserer Wesensart gemäss nur dazu ausgerüstet, die Gnade Gottes zu empfangen. Wir sind also gänzlich Empfangende. Dankbarkeit ist die natürliche Antwort auf jede Schenkung.

Montag, 13. Mai

In der vollständigen Schwäche, wenn die körperliche Maschine keinerlei Kraft mehr aufzuweisen vermag, braucht man nicht möglichst schnell wieder die alte Funktionalität herstellen. Wenn sich diese alte Gewohnheit einer solchen Bemühung aufzulösen beginnt, und man nicht mehr glaubt, einfach nur in der alten Struktur wieder funktionieren zu müssen, darf durch die Gnade ein gravierender Umbau geschehen. Schwächung des körperlichen Organismus ist nicht eine zu bekämpfende Krankheit. Denn das Selbstgefühl hat von falscher Stärke gelebt. Der Geist spinnt manchmal apokalyptische Visionen, wie die Wahnvorstellung, unter zu gehen, nichts mehr auf die Reihe zu bekommen, und hilflos zuschauen zu müssen, wie alles in sich zusammen fällt….Diese künstlich aufgebaute Szenerie führt nur weg von dem Fall in die Schwäche, welcher in die Seele hinein führen würde.