Montag, 15. Juli

Das lateinische Wort „finis“ hat eine Doppelbedeutung. „Ende“ und auch „Ziel“. Ein Mensch, der nicht das Ende einer provisorischen Daseinsform abzusehen imstande ist, vermag auch nicht, auf ein Ziel hin zu leben. Die heilige Hoffnungslosigkeit, d.h. die Hoffnung gehen zu lassen, dass diese letztliche Sehnsucht von der Welt her, – vom liebevollen Austausch zu den Menschen und von all den Schönheiten in ihr –, erfüllt werden und einem wirkliche Erfüllung schenken würden, ist ein wesentlicher erster Schritt des inneren Weges zur Freiheit hin.

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Sonntag, 14. Juli

Wenn jemand die Kraft und die Macht hätte, sich jeden Wunsch zu erfüllen, dann wäre ein solches Leben flach und freudlos gegenüber einem Leben, das sich überraschend Moment für Moment auf dem Weg der Hingabe (was auch das Loslassen der Eigenvorstellung der Wünsche mit beinhaltet) entfaltet.

Samstag, 13. Juli

Siddhi syad bhagavad dhristyaTrina sa mananan api « Wenn jemand einen Grashalm für Gott hält, und mit seiner Wahrnehmung die Perspektive der Verehrung einnimmt, wird er Perfektion erlangen.“ Sanatan Goswami im Brhad BhagavatamritaEs geht also immer um die Aufrichtigkeit in der Haltung. Wenn diese vorhanden ist, wird Krishna nach und nach das Gottesverständnis erweitern. In Unkenntnis von der ewigen Gestalt Gottes, aber mit brennender Dringlichkeit im Herzen, ist man dem wahren Gott näher als wenn man Radha-Krishna in Eigensucht ehrt.

Freitag, 12. Juli

Kranke, Sterbende und auch KZ-Häftlinge erfuhren, dass der Mensch, wenn ihm wirklich gar nichts mehr bleibt auf dieser Welt, selig werden kann. In der freiwilligen Ergebung, die ohne einen Leidensdruck in der äusseren Welt geschieht, ist die Glückseligkeit noch substanzieller und vor allem beständig. Dies ist die Folge der Hingabe an die Wirklichkeit Gottes, angesichts welcher die periphere materielle Schöpfung wie ein entfernter Traum erscheint.

Donnerstag, 11. Juli

Der Zustand des Erstaunens und Überrascht-Seins bildet die Grundlage für ein spirituelles Leben. In der begrenzten Welt gibt es Vertrautheit und Gewöhnung im Umgang mit Dingen, weshalb das Staunen gleich wieder versiegt. Das Symptom, dass man sich wirklich dem Unbegrenzten annähert, ist genau dieses nicht nur ununterbrochene, sondern sogar noch anwachsende Erstaunen.

Mittwoch, 10. Juli

Es bedarf einer Anstrengung, sich immer wieder in die so unterschiedlichen Welten von anderen Menschen einzulassen.Aber gleich hinter dieser einzigartigen Welt, die jeder Mensch darstellt, ist die Gleichheit jeder bedingten Seele in dieser Welt… jeder Mensch sehnt sich jeden Augenblick und in allem, was er tut, nach Radha-Krishna. Die unbewusste Art, dieses Sehnen zu leben, verlängert unsere materielle Existenz. Die Bewusstwerdung dessen, dass jede Sehnsucht sich nach dem Seva zu Radha-Krishna ausstreckt, beendet die Zeit der Trennung zu ihnen.

Dienstag, 9. Juli

„Seine irdische Haut zu Markte tragen…“ Dies ist ein Begriff des Sokrates über die Unnatürlichkeit, als ewige Seele von Körper-Hüllen umschlungen zu sein. Endlose Weltgeschichte, Entstehung und Vergehen von Körpern, Welten und Universen, spielt sich nur deswegen ab, weil die Seele auf ihrem Recht auf Unwissenheit verbissen beharren möchte.