Sonntag, 26. Mai

„Es werden die meisten, wenn sie am Ende zurück blicken, finden, dass sie ihr ganzes Leben hindurch ad interim gelebt haben, und verwundert sein zu sehen, dass das, was sie so ungeachtet vorüber gehen liessen, eben ihr Leben war, in dessen Erwartung sie lebten. Und so ist denn der Lebenslauf des Menschen in der Regel dieser, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tode in die Arme tanzt.“ Arthur Schopenhauer aus: „Parerga und Paralipomena“Das Eingeständnis „ich habe bisher eigentlich noch gar nie wirklich gelebt“, ist nicht nur heilend, sondern notwendig und auch eine natürliche Einsicht, wenn sich der Weg zu Krishna langsam auftut vor einem. Darin liegt ein Schmerz als auch eine freudvolle Erregung, dass es wirklich beginnen darf.

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Samstag, 25. Mai

Alle heilige Information wird vom denkenden Geist in seine Vorstellungswelt integriert und somit in der Dimension eingeschränkt und sogar verzerrt. Das oberflächliche Verständnis gibt sich vorschnell mit sich selbst zufrieden. Die fromme Faulheit glaubt, die wesentlichen Schritte bereits getan zu haben. Das klare Gemüt aber, das in der Gemeinschaft von Heiligen erweckt wird, erkennt, wie weit der Weg noch ist und wie riesig das Ausmass der eigenen Verirrung doch war.

Donnerstag, 23. Mai

Neue Zellen werden in diesem Körper ständig im Überschuss gebildet. Diejenigen Zellen, die dann nicht mehr zum gesunden Wachstum des Organismus beitragen können, sterben. Sie schalten Selbsttötungsgene an und bringen sich selbst, zum Wohle des ganzen Organismus, um. Das tun sie in einer Weise, die für den Organismus am wenigsten schädlich ist: durch Zell-Implosion, welche die potenziell schädliche Freisetzung von Zellinhalt verhindert und das Abräumen der Zellreste erleichtert. Media vita in morte sumus „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“Es braucht schon eine grosse Portion Arroganz, inmitten des Ozeans des Sterbens zu treiben und verbissen den Glauben aufrecht zu erhalten: „Ich überlebe!“. Die überlebende Instanz liegt viel tiefer…

Mittwoch, 22. Mai

Durch die gewählte Gleichgültigkeit zur Seele wird die Dunkelheit generiert, in welcher Identifikation mit den Objekten um einen herum erst ermöglicht wird. Man hat eigene Wertzuschreibungen auf bestimmte emotionale Zustände gelegt. Einige erachtet man als erfüllend, andere als tief in die Leere führend. Im Seelenzustand verschwindet die zuvor willkürlich eingenommene Beziehung zu den Objekten.

Dienstag, 21. Mai

Leben in der vergänglichen Welt ist ein beständiger Fluss. Zu diesem Fluss gehört es, dass das kurze, aber ganz besondere und individuelle Leben sich in unbekannter Weise verwandeln wird. Oft ist man im Kampf gegen den Fluss der Veränderlichkeit verwickelt: Man versucht, Vorstellungen, die einem gerade lieb sind, zu erzwingen, und die ungeliebten abzuwenden. Man ist im Versuch, Herr über die flüchtige Endlichkeit zu werden. Als Mensch kann man sich dafür entscheiden, diesen Fluss nicht nur zu akzeptieren, sondern ihn zu lieben. Damit lichtet sich die Verknüpfung mit der Zeitweiligkeit und die ewige Seele leuchtet durch.

Montag, 20. Mai

Der Geist pendelt ständig zwischen verbissener Verspannung und trägem Nichtstun. Es gibt aber auch das entspannte „Sich-zur-Verfügung-Stellen“ an Krishna, was die Entspannung inmitten in das Tätig-Sein verlegt.