Samstag, 30. Mai

Die grösste Gefahr ist nicht, dass wir hohe Ziele und Ideale anstreben, und sie verfehlen, sondern dass wir uns zu niedrige Ziele setzen und sie erreichen und uns dann mit dem Interimistischen zufrieden geben, der Banalität des Alltages.
Wenn wir unser eigentlichstes Potenzial unterschätzen, werden wir uns nicht entfalten und notgedrungen unter dem Möglichen leben.

Freitag, 29. Mai

Wir bemühen uns für den Erhalt des Tempels, für seine Instandsetzung, Reinigung und um kleinere Renovationen… Aber nur wenn die Religion den inneren lebendigen Geist der freudvollen Gottesliebe verloren hat, wenn sie verkirchlicht und ver-institutionalisiert ist, der Essenz entzogen – nur dann dreht sich alles nur noch um die Erhaltung und Verteidigung von äusseren Strukturen und Gebäuden.
Es verhält sich ganz genau gleich mit unserem körperlichen Tempel.

Donnerstag, 28. Mai

Im Bhagavatam sagt Krishna zu den Pracetas, dass „wenn meine Geweihten in Freundschaft zusammen dienen“ er augenblicklich bereit ist, alle Segnungen zu geben (4.30.8).
Die Segnung Gottes darf man aber nie als deckungsgleich mit Erfolg in der Welt oder mit Gelingen gleichsetzen. Das wäre die Verflachung. Seine Segnung führt immer zu Rati, vertieftem Absorptionsvermögen zum göttlichen Paar hin.

Mittwoch, 27. Mai

Oh mein Herr, immer nur wieder kann ich über deine Geweihten staunen.
Ihr Geist sucht ständig nur dich.
Ihre gesamte Aufmerksamkeit ist nur darauf gerichtet, über dich zu sprechen, dich zu erfreuen und zu überraschen. Darin ist ihnen die Beschäftigung um eigene Befreiung und Erleichterung von Beschwerlichkeiten gänzlich unbedeutend geworden. Die einzige Errungenschaft, um die sie flehen und weinen ist liebender Dienst zu deinen Füssen.

Obwohl diesen Geweihten alles Schöne und Grossartige in der materiellen Welt angeboten wird, ist ihnen all dies gleichgültig, da ihre Aufmerksamkeit einzig und allein auf den wunderbaren Herrn von Vraja gerichtet ist.
(Bhagavatam 3.4.15)

Dienstag, 26. Mai

Manchmal hat man die Tendenz, der Beschwerlichkeit und Trägheit der Welt zu entkommen und in einen stillen Raum eintreten zu wollen. Das ist eine Isolationsruhe.
Der Wunsch, die persönliche Ruhe erfahren zu wollen, hat noch nichts mit Gottesliebe zu tun.
Man darf die Tendenz des Egos genau betrachten, in der Abgrenzung einfach nur Erleichterung zu suchen.
Krishna wird einem aber in Situationen führen, die aus der Warte des Egos nach Angriffen aussehen, in Wirklichkeit jedoch Angebote des Loslassens sind. Wenn ich es wage, loszulassen, wird die unbeschreibliche innere Liebe Gottes wieder im Herzen wieder wahrnehmbar.

Montag, 25. Mai

Liebesbeziehungen beginnen oft durch die Sexualität, sollten jedoch nicht dort stecken bleiben. Denn dann hätte man die sexuelle Kraft nicht verstanden und ihren evolutiven und transformativen Aspekt nicht zu nutzen gewusst.
Die Liebe hat viele Stadien und darf nicht im ersten, in der Auffüll-Liebe stagnieren. Die Liebeskraft will immer auf Gott verweisen. Im Folgen dieser Liebes-Spur wird die körperliche Sexualität mit der Zeit wegfallen. Sie körperlich nicht zu leben ist nicht ein defizitärer Zustand, sondern zeigt auf, dass das Bewusstsein der Seele ein grosses Mass an Kreativität und Fruchtbarkeit entwickelt hat.

Sonntag, 24. Mai

„Jemand, der die Zufriedenheit des Geistes eingeübt hat, bleibt innerlich erfüllt, auch wenn er gar nichts mehr hat, und ihm alles abhanden kommt. Dann freut er sich halt an ein wenig Wasser oder an der Luft, die er atmet.“ (Bhagavatam 7.15.18)

Das ist der Test, ob der Zustand der Zufriedenheit sich an die Welt der Namen festband oder ob sie wirklich ein durchdrungener Gemütszustand ist, der auch nicht erschüttert wird in Verlustbewegungen.